Schmutzige Wäsche gewaschen
4.03.2010Ich war noch nie in einem Waschsalon. Heute sollte das erste Mal werden. Voller Vorfreude und eine gute Ladung heller Wäsche und eine kleinere Menge, in Größe einer Einkaufstüte, dunkler Wäsche im Gepäck machte ich mich auf den Weg.
Eigentlich wollte ich hier in einem der Keller Wäsche waschen. Allerdings sind die Räumlichkeiten bis Mitte nächster Woche ausgebucht. Ich hatte einen kleinen Notstand. Kann man so sagen. Ein oder zwei Tage hätte es noch gereicht. Mit den frischen Socken.
Nun bin ich dann in leichtem Regen quer durch die Stadt geradelt. Zum einzigen Waschsalon von Graz. Meine Waschmöglichkeit lag in einem dieser Viertel. Sozialer Brennpunkt ist vielleicht ein wenig zu harsch. Aber jeder kennt diese bunten Läden, die einfach so da sind. Arabische Telefonläden. Ein Dönerladen neben dem Kino mit geschlechtlich betonten Filmen. Die Häuser ein wenig heruntergekommen.
Die erste Überraschung: niemand da. Ein oder zwei laufende Maschinen. Sonst keine Menschenseele. Lediglich die Bekleidung derer, die später vielleicht wiederkommen und zwischenzeitlich anderes tun. Nun musste ich mich erstmal mit der Technik und dem Procedere vertraut machen. Man ziehe eine Wertmarke mit 5,00Euro Pfand. Die ersten zehn Euro schon mal weg. Dann noch Waschmittel portioniert aus dem Automaten holen und auf zur ersten Maschine. 40 Grad. Beide Ladungen Wäsche habe ich in zwei Waschmaschinen gefüllt. Knappe 30 Minuten warten. In der Zwischenzeit kam ein junger Mann und holte seine fertige Wäsche ab. In einer Seelenruhe sortierte er seine Socken. Auch die anderen Wäschestücke wurden fein säuberlich eingetütet.
Meine Kostenaufstellung:
20,00Eu für die Wertkarte, davon
2 Wäschen zu jeweils 3,90Euro und jeweils zwei Mal Waschmittel zu jeweils 90 Cent
3 Trocknerdurchläufe zu jeweils 80 Cent
Frohen Mutes und mit der optimalen Vorstellung, meine Wäsche nach ein oder zwei Trocknergängen wieder mit nach Hause zu nehmen. Warf ich alles in den Trockner und startete das Zwölf-Minuten-Programm mit 45 Grad. Der Effekt war ernüchternd. So buchte ich erneut 80 Cent von meiner Wertkarte ab und hoffe bei 60 Grad auf trockene Wäsche. Wieder nichts. Nochmal 60 Grad für 80 Cent. So langsam bekam ich Panik. In Anbetracht der vollen Reisetasche und den innenarchitektonisch eingeschränkten Möglichkeiten in meinem Zimmer.
Nach der dritten Trocknung beschloss ich meine mehr als sieben Sachen zu packen. Sagen wir mal, dezent gefrustet, machte ich mich dann in nun schneehagelartigem Niederschlag mit dem Rad auf den Rückweg.
In meinem Zimmer spannte ich schnell die Wäscheleine quer durch das Zimmer. Warf einige Hemden und T-Shirts darüber und stellte die Heizung an. Den Zustand, den ich in den ersten Minuten hier in diesem Zimmer beklagte, wollte ich mir nun zu Nutze machen. Nein, musste ich.
Auf der Suche nach jeder Möglichkeit zum Trocknen der Socken, Handtücher, Hemden und sonstigem nutzte ich jede Ecke. Jede Kante und jeden Schlüssel. Alle Bügel wurden verpflichtet an der Leine oder am Türrahmen etwas zu tragen. Bei jeder Bewegung touchierte ich die von der Leine hängende Wäsche. Sogar der Papiereinzug des Drucker musste herhalten, für eine Unterhose.
Nach nicht einmal zehn Minuten saß ich nur noch im T-Shirt da. Die Fensterscheibe war beschlagen wie im Urwaldhaus. Nur der Durft glich nicht den menschlichen Vorfahren. Mehr nach – frisch gewaschener Wäsche.