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Killekille

* admin - 13.03.2010 - 15:55 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, erinnert, fragwürdig

Es war das große Ereignis, das ich schon gespannt erwartete. Die Bahnfahrt in die Heimat.

Mit dem Bus zum Bahnhof in Graz, ein eigentlich ganz netter und vorallem sauberer Bahnhof. Als ich meinem reservierten Platz in dem Zug nach Linz aufsuchte, musste ich ein junges Mädel bitten, von diesem aufzustehen. Gut, es war nicht so überfüllt der Zug, aber wenn ich schon die Reservierungsgebühr bezahle, dann will ich das auch voll auskosten. Die beiden Mädels, scheinbar Studentinnen. Von der Bauart Rasterzöpfe, Piercings durch die Nasenwurzel. Ok, jeder und jede nach eigener Weise. Knappe drei Stunden dauerte die Fahrt durch die dunkle schneebedeckte Landschaft der Steiermark.

Schnell in Linz dann rüber in den Nachtzug nach Hamburg. Keine neun Minuten blieben mir. Mit Tasche quer durch den Bahnhof. Angekommen, Wagen gefunden. Abteil gefunden. Platz gefunden. Besetzt. Hmmm, dachte ich mir. Das geht ja gut weiter. Aber das junge, wohl Pärchen machte keine Anstalten und wechselte den Platz. Hier sollte ich nun länger bleiben. In diesem Sechser-Abteil hatte ich in Fahrtrichtung am Gang, also an der Tür meinen Platz.

Schauen wir uns doch einmal die Charaktere an: 

Platz (Gang, gegen die Fahrtrichtung): Aktuell noch Studentin, hatte keine Reservierung. 

Platz (Mitte, gegen die Fahrtrichtung): Fast 60-jähriger Mann, wohl polnischer, russischer oder ähnlicher Herkunft. Sah mit seinem Basecap aus wie ein Teddybär. 

Platz (Fenster, gegen die Fahrtrichtung): Alterbativ angehauchte, Rucksackreisende.

Platz (Fenster, in Fahrtrichtung): Junge Frau, unauffällig. Lediglich ihren silbernen Glitzerstern im Haar, billig aussehend, musste ich immer aus den Augenwinkeln fixieren. 

Platz (Mitte, in Fahrtrichtung): ca 40-jährige Frau, ebenfalls unauffällig. Las ein ausländisches Buch. Lesezeichen war ein Dreifach-Passbild eines Kindes. Wie sich später herausstellte: “Ik fahren zun erste Mal mit Zug. Dahe ik haben so viele Panik”

Platz (Gang, in Fahrtrichtung): Sympatischer Student, charmant, gutaussehend. Also ich. 

 

Man muss ich ja arragieren, in dieser Zweckgemeinschaft. 

Nicht einmal ganz aus dem Bahnhof Linz herausgefahren, scharchte es schon neben mir aus der Kopfstütze. Es war die Panikerin. Der Teddybär saß die ganze Zeit aufrecht, seine Beine aufgestellt und auseinander. Die Mütze hatte er inzwischen abgesetzt. Das Telefon, steinzeitlicher Art, war nun sein Speilzeug. Die Alternative am Fenster hinten las gedankenversunken in ihrem Buch. Verschlang innerhalb von drei Minuten eine quadratisch, praktisch, gute Schokolade. Ich habe auf die Uhr geschaut.

In Passau stieg die Unauffällige mit dem Glitzerstern aus. Stattdessen kam später ein hektischer Mann den Gang herunter. Rollkoffer und Aktenkoffer. In unser Abteil geschaut. Etwas unkoordiniert seinen großen Rollkoffer in die Ablage legen wollen. Geht nicht. Dann den kleinen Koffer. Passt. Dann nahm er Platz auf dem Platz des Glitzersterns. 

Kurz nach Ausfahrt aus dem Bahnhof Regensburg kam dann das Schnarchmäulchen herein. Sie setzte sich mir gegenüber, auf den Platz der Studentin. Die erneute Fahrscheinkontrolle gegen 02.00Uhr weckte alle wieder, die versuchten ein wenig zu schlafen. Ich döste mehr. Der Aktenkoffer-Mann wurder vom Schaffner ermahnt, dass doch bitte keine Koffer auf dem Gang stehen sollten, es sei ein Fluchtweg. Das hätte ich dem Aktenkoffer-Mann und Schnarchmäulchen auch vorher sagen können. Habe ich aber nicht. Vielleicht hätten sie beide selbst auf die Idee kommen können. Denn in fast jeder Kurve fiel einer der Koffer um und versperrte den Gang. Nach einigen Diskussionen zwischen Aktenkoffer und Schaffner zog der Kunde von dannen. Wohin weiss niemand.

Es kehrte wieder Ruhe ein. Ich schlief wohl noch ein wenig. Jedes Mal, wenn ich wach wurde, huschten die Lichter der kleinen Ortschaften am Fenster vorbei. Lichter und Scheinwerfer von Fabriken und Firmn erhellten das Abteil für einen Bruchteil eines Augenblickes. Die Fahrt an sich war ruhig. Ein schnurrendes und ganz feines Vibrieren schaukelte wohl jeden hier in den Schlaf. Zu fünft in unserer Bleibe baute sich jeder sein Nachtlager. So richtig sitzen konnte ich nicht. Mein Fahrgestell konnte ich auch nicht ausfahren, weil der Koffer von Schlafmäulchen vor mir stand. Es fehlten eigentlich noch die Hühner und eine Kuh. Dann hätte das alles auch noch was cooles, was exotisches gehabt. 

Teddybär zog sich die Schuhe aus. Das Dickerchen in der Ecke am Fenster legte sich zurecht und döste wohl auch.  

Zwischenzeitlich beobachtete ich die Schlafenden weiter. Teddybär schob seine Beine jetzt auch mal nach vorne aus. Schnarchmäulchen machte einen zufriedenen Eindruck. Ihre Augen hinter der glasbaustein anmutenden Brille waren geschlossen. Den Kopf leicht nach hinten geneigt, sah die vielleicht 40-jährige, blonde, leicht dickliche Frau friedlich aus. Jetzt kam mein medizinischer Blick wieder dazu: Frau, circa 40 Jahre, Blond, im gebährfähigen Alter, adipös. Na. Die wird sicherlich irgendwann man mal Gallensteine bekommen. 

So richtig wach wurde  ich, als Schnarchmäulchen mir ihre weissen Tennissöckchen an meinen Oberschenkel legte. Im Schlaf natürlich. Ganz unbeabsichtigt. Auch der Teddybär schob nun seine grau besockten Füße auf den ihm gegenüberliegenden Platz. Fast in das Gesicht von der ausländisch Träumenden, die sich auf dem beiden Plätzen neben mir breit gemacht hat und nun wohl seit einiger zeit quer über beide Plätze zur Fahrtrichtung lag.

Jetzt ging gar nichts mehr. Ich holte meine Schwarzbrot-Stullen heraus und machte Brotzeit. Ob jetzt nun mein Aroma von Käse, Putenbrust und Schwarzbrot das Abteil stören könnte, war mir auch egal. Störte irgendwie auch keinen. 

Wir fuhren in den Bahnhof Göttingen ein. Aha! Die Ankunft in der anderen niedersächsichen Universitätsstadt verzögerte sich wohl um dreissig Minuten. Das ließen die Anzeigetafeln verkünden. Also planmäßige Ankunft in der ehemaligen EXPO-Stadt wohl ausgeschlossen.

Der Zug fuhr weiter. Kurz hinter Göttingen klinelten fast gleichzeitig drei Wecker von Mobiltelefonen. Clever. Da für ca 06.13Uhr die Ankunft in Hannover geplant war, wollten die alle sich noch mal schnell fertig machen. Ich war ja nun wach und erlaubte mir einen Spaß. Wo sind wir? Gleich in Hannover? Nein, meinte ich. Gleich in Hamburg. Panik. Unruhe. 

Fairerweise klärte ich alles auf. Die letzten Toilettengänge. Meine Thrombose-Prophylaxe hatte ich schon vorher gemacht: viel trinken, Muskelpumpe durch Heben und Senken der Füße im Stand und den Gang mal hoch und mal runter laufen. 

Plötzlich Hektik. Die anderen vier rissen auf einmal ihre Taschen, Jacken und Koffer herunter. “Hannover!” schrie jemand. Alle raus. Dieser Spuk dauerte vielleicht ein, maximal eineinhalb Minuten. Während ich Deckung suchte, erhaschte ich einen Blick. Hannover-Messe, Bahnhof Laatzen. Cool und routiniert machte ich mich bei der Durchfahrt beim Bismarckbahnhof so langsam ausstieg-fertig. 

Memo an mich: Nächstes Mal bei Tennissöckchen in meinem Nahbereich. Killekille machen.

Sachen gibt es hier….

* admin - 8.03.2010 - 18:51 sortiert in Graz, beobachtet, fragwürdig, gefunden

Wieder eins dieser Seminare

* admin - 8.03.2010 - 17:06 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, fragwürdig

Ich hatte heute mal wieder eines dieser Seminare. Methodisch völlig daneben. Besonders fasziniert hat mich dieser Dozent, Typ Wissenschaftler, der kaum einen richtigen Satz artikulieren konnte. Für mich erschwerend kam noch der leichte Dialekt dazu. Diesen Slang überhöre ich aber inzwischen und filtere alles wichtiger heraus. Nun dieser junge, sicherlich briliiante Wissenschaftler sollte nun die komplexe Thematik der Rheumatologie vermitteln. Statt möglichst zügig ins Thema einzusteigen, wurden die noch komplexeren Zusammenhänge der Immunologie versucht darzustellen. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ein Thema, was mehr als sechzig Minuten bedarf sollte nun en detail und in volle Tiefe vermittelt werden.

Die Rheumatologie. Sicherlich interessant und nicht wenig anspruchsvoll. Auffallend, geradezu niedlich, war der immer wieder kehrende Stotterer und das Hängenbleiben bei dem Wort Rheumatologie oder rheumatisch. Jedes Mal musste er mindestens ein-, eher zweimal ansetzen. Ich meine, das ist sein Fach, hier forscht und lebt er. Lustig. Erinnerungen an Erzählungen meiner Mutter werden da laut. Bei fast jeder Familienfeier wurd in epischer Breite erzählt, dass ich immer an der gleichen Stelle von “Wir lagen vor Madagaskar” instrumentalisch hängen blieb. Und die Nachbarn wollen das auch immer schon gehört haben. Sich mit hochgezogenen Schultern und dem eingezogenen Kopf auf diese eine, ganz besondere Stelle gefreut haben.

So ging es mir heute auch. Bei dem stockenden, wenig brillierenden Dozenten. Immer an der selben Stelle. “Rheu – rheuma-tologie” eben.

“A Packerl ess doah”

* admin - 8.03.2010 - 12:25 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, gefunden

eben klingelte hier das Telefon. Der freundlcihe Kaiser am anderen Ende: “A Packerl ess doah!” Als ich das Paket wieder oben in meiner Ruhestätte öffnete, war ich durchaus erfreut. Von wegen “wenig nützliche Dinge”.

Französische “Danke”-Schokolade

diverse Tütensuppen/-saucen

selbstgemachte Marmelade

Einmalhandschuhe

Saugnapfhaken

ein Pesto 

und Handcreme

 Was ich allerdings mit den Einmalhandschuhen soll, weiss ich nicht. Wohl wegen meines Putzwahns hier. Ab und zu? Andere Nahrungsmittel werde ich sicherlich gut die Tage verbrauchen können.

Aber dennoch ein liebes Danke an mein Schwesterchen! Habe mich sehr gefreut!

 

 

Sonntagmorgen

* admin - 7.03.2010 - 09:54 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, gelesen

Gegen 04.30 Uhr wurde ich heute Nacht mal wieder wach. Dabei habe ich doch so schön den Weg ins Land des Schlafes gefunden. Gestern abend, ab 22.30Uhr. Trotz spanischer Folklore- und Chartgesänge irgendeiner Truppe von spanischen Mädchen. Dummerweise liegt mein Gemach direkt am Treppenaufgang der Etage, so höre ich natürlich jeden Schritt und jeden Tritt. Ebenso der Aufenthaltsraum. Dort war wohl die Party. Kreischen, Johlen, Schreien, Singen. Andere können bestimmt besser singen. Nun eben von dieser Lautstärke wurde ich wach. Könnte mich ja dann auch im Schlafanzug auf den Flur stellen und einen typisch deutschen Nachbarn mimen. Könnte ich.

Obgleich die zu weckende Uhrzeit meines Handy auf 9.00Uhr gestellt war, ich blinzelte eine gute halbe Stunde zuvor durch das Fenster. Schnee. Hier in Graz. Nein! Die Dächer mit einem leichten Weiß bedeckt. Außentemperatur bei drei Grad. Unter Null. Die Sonne strahlt. Das sind dann so Momente, in denen ich mein Handwerkszeug vermisse. 

Also raus. Hübsch machen. Haarpflege. Gesicht mal wieder in Form bringen. Nach drei Tagen Schonfrist für die elektrische Rasierhilfe. Eben schnell rüber zum Einkaufsmarkt, denn der soll auch am Sonntag offen haben. Tatsächlich. Dann ein signifilkanter Diaglog zwischen dem Verkäufer V und mir M

M: Ich hätte gerne drei Mehrkornbrötchen

V: Des sin oalles Breehtchen. 

M: Ja, ich weiss. Ich möchte drei von diesen Vollkornbrötchen. [zeige auf die Brötchen, die ich meine.]

V: Noah, des sin Weltmeisterbreetchen.

M (denkend!): …kann mich nicht erinnern, dass Austria jemals Fußball-Weltmeister war. Aber dann die dicken Weltmeisterbreetchen backen. 

Schnell im Zimmer im Internet und nachgeschaut. Und: Österreich war noch nie Weltmeister. Ha!

Den Kaffee aus der Padmaschine genoss ich dann umso mehr. Nebenbei twitter und newsfeeds gelesen. Eine dieser Sonntagszeitungen aus Papier habe ich auch mitgenommen. Aus der Lobby. Da wo der freundliche Kaiser immer thront. Scheint aber ein Abo gewesen zu sein. Diese Sonntagszeitung. Steht zumindest eine Zimmernummer drauf. Egal. Eben ein Sonntagmorgen. 

Frische und Natürlichkeit aus Hannover

* admin - 5.03.2010 - 22:08 sortiert in beobachtet, das Leben, geclickt, gefunden, gelesen, mediales

Aus aktuellem Anlass seien einige Zeilen zu dem vor einigen Minuten geschehenen gestattet.

Ein “Pop-Küken” aus Hannover könnte Deutschland beim Eurovision-Song-Contest in Oslo in diesem Jahr vertreten. Eine gerade einmal 18-jährige Abiturientin aus Hannover. Meiner Heimatstadt. 

Sie hat das gewisse Etwas. Diese Natürlichkeit. Diese Freude beim Singen. Das Verschmitzte. 

Besonders cool waren ihre Worte bei der Vorstellung, wohl auf die Frage, ob sie schon angesprochen wird auf der Straße: 

Die Leute ziehen sich aus. Ich muss auf allen möglichen Körperstellen Autogramme geben. [Pause] Natürlich nicht. Vielleicht werde ich in der Woche zwei Mail angesprochen. 

Bei facebook sind heute abend auch die 9000 Fans auf der Lena-Fanseite geknackt worden. Sie und ihre Betreuuer und ihr vielleicht schon installiertes Management schauen hoffentlich weiterhin auf ihre Natürlichkeit. Ihre sympatische Ausstrahlung und ihre Frische. Keine Anstalten eines Stars. Die kommen sicherlich später bestimmt. 

Noch kann sie damit spielen, keine Gesangsausbildung und “keine Atemtechnik” zu haben, wie Stefan Raab das in jeder Show wiederholt. Irgendwann ist diese Masche sicherlich auch abgedroschen. Sie muss sicherlich die richtige Ausgewogenheit an melodischem, eingänglichem und auf der anderen Seite dem nicht allzu exotischem finden. 

Fairerweise sei aber erwähnt, dass alle anderen Teilnehmer des heutigen Viertelfinals auch nicht schlecht waren. Das waren allesamt Songs die vielleicht auf den ersten Blick fernab von Mainstream und Charts laufen. Dennoch haben alle Songs das gewisse Ohrwurm-Feeling gehabt. Schade ist sicherlich auch der mediale Push von der Lena. Die anderen kommen da sicherlich ein weinig zu kurz. Möglicherweise liegt das aber auch an einer, sicherlich nachzuvollziehenden, lokalpatriotischen Berichterstattung der beiden großen Hannoverschen Printmedien.

Die Hauptsache ist, das der Beitrag unserer Künstler/in den Nerv der Zuschauer trifft. Dann könnte Deutschland beim Eurovision Songcontest auch mal wieder “vorne” mitsingen. Wir werden es sehen. 

Zu wünschen wäre es ja. Auch für die Lena. 

Schmutzige Wäsche gewaschen

* admin - 4.03.2010 - 17:09 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, fragwürdig

Ich war noch nie in einem Waschsalon. Heute sollte das erste Mal werden. Voller Vorfreude und eine gute Ladung heller Wäsche und eine kleinere Menge, in Größe einer Einkaufstüte, dunkler Wäsche im Gepäck machte ich mich auf den Weg.

Eigentlich wollte ich hier in einem der Keller Wäsche waschen. Allerdings sind die Räumlichkeiten bis Mitte nächster Woche ausgebucht. Ich hatte einen kleinen Notstand. Kann man so sagen. Ein oder zwei Tage hätte es noch gereicht. Mit den frischen Socken. 

Nun bin ich dann in leichtem Regen quer durch die Stadt geradelt. Zum einzigen Waschsalon von Graz.  Meine Waschmöglichkeit lag in einem dieser Viertel. Sozialer Brennpunkt ist vielleicht ein wenig zu harsch. Aber jeder kennt diese bunten Läden, die einfach so da sind. Arabische Telefonläden. Ein Dönerladen neben dem Kino mit geschlechtlich betonten Filmen. Die Häuser ein wenig heruntergekommen.

Die erste Überraschung: niemand da. Ein oder zwei laufende Maschinen. Sonst keine Menschenseele. Lediglich die Bekleidung derer, die später vielleicht wiederkommen und zwischenzeitlich anderes tun. Nun musste ich mich erstmal mit der Technik und dem Procedere vertraut machen. Man ziehe eine Wertmarke mit 5,00Euro Pfand. Die ersten zehn Euro schon mal weg. Dann noch Waschmittel portioniert aus dem Automaten holen und auf zur ersten Maschine. 40 Grad. Beide Ladungen Wäsche habe ich in zwei Waschmaschinen gefüllt. Knappe 30 Minuten warten. In der Zwischenzeit kam ein junger Mann und holte seine fertige Wäsche ab. In einer Seelenruhe sortierte er seine Socken. Auch die anderen Wäschestücke wurden fein säuberlich eingetütet.

Meine Kostenaufstellung: 

20,00Eu für die Wertkarte, davon

2 Wäschen zu jeweils 3,90Euro und jeweils zwei Mal Waschmittel zu jeweils 90 Cent

3 Trocknerdurchläufe zu jeweils 80 Cent

Frohen Mutes und mit der optimalen Vorstellung, meine Wäsche nach ein oder zwei Trocknergängen wieder mit nach Hause zu nehmen. Warf ich alles in den Trockner und startete das Zwölf-Minuten-Programm mit 45 Grad. Der Effekt war ernüchternd. So buchte ich erneut 80 Cent von meiner Wertkarte ab und hoffe bei 60 Grad auf trockene Wäsche. Wieder nichts. Nochmal 60 Grad für 80 Cent. So langsam bekam ich Panik. In Anbetracht der vollen Reisetasche und den innenarchitektonisch eingeschränkten Möglichkeiten in meinem Zimmer. 

Nach der dritten Trocknung beschloss ich meine mehr als sieben Sachen zu packen. Sagen wir mal, dezent gefrustet, machte ich mich dann in nun schneehagelartigem Niederschlag mit dem Rad auf den Rückweg. 

In meinem Zimmer spannte ich schnell die Wäscheleine quer durch das Zimmer. Warf einige Hemden und T-Shirts darüber und stellte die Heizung an. Den Zustand, den ich in den ersten Minuten hier in diesem Zimmer beklagte, wollte ich mir nun zu Nutze machen. Nein, musste ich. 

Auf der Suche nach jeder Möglichkeit zum Trocknen der Socken, Handtücher, Hemden und sonstigem nutzte ich jede Ecke. Jede Kante und jeden Schlüssel. Alle Bügel wurden verpflichtet an der Leine oder am Türrahmen etwas zu tragen. Bei jeder Bewegung touchierte ich die von der Leine hängende Wäsche. Sogar der Papiereinzug des Drucker musste herhalten, für eine Unterhose.

Nach nicht einmal zehn Minuten saß ich nur noch im T-Shirt da. Die Fensterscheibe war beschlagen wie im Urwaldhaus. Nur der Durft glich nicht den menschlichen Vorfahren. Mehr nach – frisch gewaschener Wäsche. 

Notfall in der Pathologie oder auch: Pandaaugen-Syndrom

* admin - 3.03.2010 - 14:58 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, fragwürdig, medizinisch

“Notfall in der Pathologie” ist schon eine Schlagzeile. Und die Story dazu. Mein Gott. Wenn das über die Agenturen gehen würde.

Ich hatte heute das Mikroskopier-Seminar. Histologie. Lehre der Zelle. Zumindest das, was man sehen kann. Mit einem Mikroskop. Für mich an sich nichts neues. Was aber bezeichnend war, ist die scheinbare Nichtorganisation der Seminarleitungen. Keiner wollte und keiner wusste. Nun denn, meine Gruppe und ich wurden nun in den ehemaligen Prüfungsraum der Pathologie geleitet. Man muss sich das so vorstellen. Ein Prüfer, hier die Dozentin, sitzt in der Mitte an einem Mikroskop. Daran angeschlossen waren fünfzehn andere Mikroskope. Der Prüfer stellt nun an einem histologischen Präparat einen Ausschnitt ein und lässt die Prüflinge erzählen. Was ist zu sehen? Welches Gewebe? Welche pathologischen oder krankhaften Veränderungen sind zu erkennen? Was fällt auf? Ich kenne diese Szenarien ausreichend. Saß schon häufiger an solchen Mikroskopen. Diese waren von der Firma Nikon. Andere fotografieren mit der Firma.

Aber ich schweife ab.  die Dozentin war eine zackige (der zweite Buchstabe dieses Wortes hätte phasenweise auch durch ein “i” ersetzt werden können) junge, scheinbar aufstrebende Patholgin. Schick gekleidet begrüßte sie uns alle. “Ihr hoabt allsammt fünf Punkte” Schön, schon einmal die Miete eingefahren, ohne irgend einen Ton von sich gegeben zu haben. Noch nicht einmal fachfremdes kam von mir. Nur meine Anwesenheitsunterschrift habe ich geleistet. Die fünf Punkte sind die Benotung für die mündliche oder je nach dem schriftliche Leistung sin so einem Seminar.

Wir schauten uns einige Präparate an. Der Raum war natürlich dunkel. Damit die Kontraste des ohnehin schon schwach sichtbaren Bildes noch stärker wurden. Die Augen der Anwesenden drückten sich auf die Sichtstutzen des Mikroskopes. Mit fortschreitender Zeit wurden die Abdrücke und Ringe um die Augen der Seminarteilnehmer immer deutlicher. Die Dunkelheit tat ihr übriges. Der Blick wurde matter. Dieses Phänomen beschreibt man als Pandaaugen-Syndrom. Sehr eindrucksvoll hier zu sehen.  Spiegel-online beschreibt dieses Phänomen in einem anderen Zusammenhang.

Zwischenzeitlich klingelte das mobile Telefon der Dozenttin zum fast zehnten Mal. “I bin bei die Studenten” oder “Naah, i koann jetzt ni” waren die nur einseitig verständlichen Worte. Anweisungen am Telefon. Wieder eine Unterbrechung. Kurz ins Mikroskop geschaut. Einige Fragen. Wieder ein Klingeln. “Naah, i moag ni meah!” Hektisches Zucken in ihrem Gesicht bei dem Telefonat. Jetzt musste alles schnell gehen. “I komm!” sagte sie und befahl uns zu folgen. Auf dem Weg ihrer und unserer hektischen Schritte eine kurze Lage. Da sei ein Patient. Gerade operiert. Am Rücken, ein Melanom. Chirurg. Mehr konnte ich nicht verstehen, weil die Frau Doktor derart schnell und spurtend von dannen schoss.

Im pathologischen Raum angekommen. Hektisches Treiben. Geklapper. Laute Stimmen. Umherlaufende Menschen. so etwas kenne ich eigentlich nur von Notfällen. Ui, dacht ich. Jetzt geht es hier aber ab. Sie schnippelte an dem Präparat einige Stücke heraus. Sparch etwas in das vor ihrer Brille hängende Diktiergerät. Nach einer halben Stunde war der Stress vorbei. Alles erledigt, schoss sie voran. Zurück in das dunkle Zimmer mit den Vergrößerungsgeräten.

Pathologen scheinen ja doch Stress zu haben. Und nicht dem Spruch folgend: 

Der Internist weiß alles, kann aber nichts. Der Chirurg kann alles, weiß aber nichts. Der Psychologie kann nichts, weiß nichts, hat aber für alles Verständnis. Und der Pathologe kann alles, weiß alles, kommt aber immer zu spät. 

Da könnte ich mir echt überlegen auch in der Pathologie tätig zu werden. Ich liebe diesen Adrenalinkick!

 

“Wollns a sackerl…?”

* admin - 2.03.2010 - 19:01 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, erinnert

Was will ich?

Aber der Reihe nach. Heute morgen eine dieser Vorlesungen. Die Dozenten scheinen die Angewohnheit zu haben, sich nicht an die Zeiten des Plans zu halten. Eineinhalb Stunden sitzen und einer, sagen wir mal, didaktisch mäßig gestalteten Vorlesung lauschen. Die Schwerkraft der Augenlider war zugegebenermaßen zum Teil recht imposant. Bei mir. Netterweise hat mich zwischendurch mein Sitznachbar unterhalten. Ich bekam eine Stichwortliste der letzten Modulprüfungen. Eventuell kann ich die ja noch mal nutzen. Da wieder einmal der Hörsaal knapp über seine Grenzen gefüllt war, musste ich doch etwas innerlich über den Kommentar des Menschen neben mir schmunzeln. “Ah, geh! Da kommst di vor hie wie in di Mittelschul. Di glaubens alle, waas verpasse zu müühsse, wenns nit da sein!” (Kommst Dir hier vor, wie in der Grundschule, die glauben alle, was zu verpassen, wenn sie nicht da sind.)  Auch wurde von mir hier die Spezies Wollmaus entdeckt. Mehr dazu demnächst.

Dann hatte ich einen Arzttermin. Ich wollte mich gegen die FSME impfen lassen. Denn in Österreich gibt es kein Bundesland, welches nicht hohe Zahlen an Zecken und ausgiebige Zeckengebiete aufweist. Also zu der Steirmarkischen (oder so…) Gebietskrankenkasse hin. Dort sollte mich der Pieks knappe 21,00 Euro kosten. Problem. Die Mädels am Empfang wussten nicht, ob und wie sie mich aufnehmen konnten oder sollten. Ein ähnliches Problem hatte ich ja schon mal.  Nun, endlich konnte ich mich dann in Richtung Massenimpfung begeben. Eine Schlange von vielleicht 15 Patienten stand beim Impfarzt vor der offenen Tür. Die Arzthelferinnen pieksten, was das Zeug hält. Datenschutz und Intimsphäre der Patienten am Anfang der Reihe wurde nicht besonders groß geschrieben. In vier Wochen muss ich zur Nachimpfung.

Da ich noch Papier und Tinte für meinen Drucker brachte, habe ich mich in Richtung Graz-City aufgemacht. Mit dem Radl alles kein Problem. Strecken von unter zehn Minuten Dauer. Auch ein neues Schloss für mein Radl brauchte ich. Damit ich nicht ohne Sattel irgendwann fahren muss. Im Stehen. Oder so.  In jedem Fall waren alle Verkäufer mal wieder sehr freundlich. “Wollns a sackerl…?”. Wie bitte was? “Zahlen´s mit Bankomat?” Nein, einen Bankautomaten habe ich leider nicht dabei. In Hochdeutsch: “Wollen Sie eine Tüte?” oder “Zahlen Sie mit ec-Karte?”. Zur ertsen Frage. Nein Danke, habe den großen schwarzen (Ruck)sack dabei. Zweite Frage, ja.

Heute abend habe ich mich dann mal an die ganz große Küche gewagt. Unter Katastrophenschutzbedingungen (für Wenigwissende: kaum Zeit, kein Platz, bescheidene Mittel und Möglichkeiten) habe ich mir ein Dreikomponenten-Gericht gezaubert. Auf einer einzigen funktionierenden Herdplatte.  Nudeln mit Putenbrust-Streifen in Basilukum-Tomatensauce. Mälzer, Lichter, Lafer und Lecker hätten mich beneidet. Und natürlich gleich eine zweite Portion gekocht. Vielleicht morgen dann. Aus der Mikrowelle. Memo an mich: vielleicht sollte ich mir doch einen Hockerkocher oder Esbit-Kocher zulegen.

Projekt für die nächsten Tage: Wäschewaschen. Man darf gespannt sein. 

Freundlichkeit

* admin - 24.02.2010 - 15:32 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben

Dass die Österreicher freundlich sind, habe ich ja schon feststellen dürfen. Dass aber der Brötchenkauf heute morgen eines Kunden schon fast an die Grenze des devoten Verhalten ging, hat mich dann doch fasziniert. Im Supermarkt nebenan. An der Wursttheke lauschte ich der Plauderei der Verkäuferin mit dem Kunden. In jedem Halbsatz, fast jedes Wort war ein “Bitte, danke” oder “sehr gern” oder “Danke, gern”. Nicht dass es mich stären würde, jedoch ist es etwas ungewohnt. Ich lass mich einfach mal daruf ein.

Eben in diesem Supermarkt wollte ich ganz banale Handtuchhalter oder Haken kaufen. Die gab es nicht. Also Memo an mich: “Haken für Handtuch” Stattdessen habe ich mal ganz spontan einen Abflußreiniger gekauft. Einfach so. Denn der Abfluss von Wasser bei meinem Waschbecken zog sich in den letzten Tagen über mehrere Minuten hin. Jedesmal. Auch das Haushaltsmittel, heißes Wasser auf dem schicken Wasserkocher aus der Heimat brachte man keinen Erfolg. Jetzt brodelt der Abflussreiniger hier im Waschbecken. Mal sehen, ob es klappt. Gegen den Muff aus undefinierbarem vielem,  hier im Zimmer habe ich ein Duft- und Raumspray erstanden. Schön. Jetzt habe ich das Gefühl in einer Lemonenplantage zu sitzen.

Dann ist heute mein Radl angekommen, der freundliche “Kaiser” rief an und verkündete die frohe Botschaft. Ich nutzte mein neues Gefährt gleich, um mich bei der Uni zu melden. Einige Unterlagen abzugeben und die Zugangsdaten für das Onlinesystem der Uni zu bekommen. Ob ich mir nun noch weitere Schlösser für das Radl zulegen werde, muss ich mal schauen. Wahrscheinlich werde ich das Ergebnis dieser Überlegung erst im worst case erleben. Für die knapp 40 Euro inklusive Schutzverpackung (entsprechend einer übergroßen Tüte eines schwedischen Möbelhauses, das Möbelstücke mit Namen benennt) ist das Radl in einem sehr guten Zustand.

Das Wetter ist hier übrigens sehr angenehm. Eine fast schon frühlingshafte Frische durchzieht das Städtchen. Satte 12 Grad sind es hier. Die Sonne schaut ab und zu auf die Straßen und Gassen. Dank Internet konnte ich feststellen, dass es in der Heimat wohl wieder nahe dem Gefrierpunkt ist und der Schneefall die Autofahrer wieder zum Wahnsinn treiben würde.

Ein gewisses Gefühl an Heimat machte sich heute auch noch breit: ich lebe hier in der Einflugschneise der Rettungshubschrauber und in der scheinbar Hauptverkehrsstrasse für diverse Rettungsmittel zum Landeskrankenhaus.  Nachteil: das scheint hier auch eine der Hauptverkehrsstraßen für die zivile Bevölkerung zu sein. Der Autolärm auch bei geschlossenem Fenster ist schon recht laut.

Mein Mittagessen war was ganz exotisches. Ich habe mir die Überrste aus dem Schweizer Bankschließfach warm gemacht und genossen. Nein! Natürlich nicht. Exotisch war die Tütensuppe vom Suppenhersteller mit dem K im Namen  schon. Chinesiche Nudelsuppe.