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Lebenszeichen

* admin - 1.05.2010 - 10:17 sortiert in Graz, das Leben, erinnert

Aus diversen, nicht näher zu erwähnenden Gründen, melde ich mich mit einem Lebenszeichen mal wieder. Wenn auch erst jetzt. Es tut mir leid, den drängenden Bitten, hier doch mal wieder ein oder mehrere Zeichen zu setzen, erst jetzt entsprechen zu können. In den letzten Tagen ist viel passiert, ausführen werde ich es jedoch nicht. Schade, was? 

Dennoch kann  ich eine freudige Mitteilung machen. Vor drei Tagen bekam ich die Bestätigung, dass ich meine erste Klausurprüfung hier mit ca 70% bestanden habe. Schwiergkeit bei mir: die anderen Fächer, die ich nicht benötige, müssen immer erst noch herausgerechnet werden. 

Das Ergebnis war wie ein kleiner Kick. Motivation pur. 

Killekille

* admin - 13.03.2010 - 15:55 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, erinnert, fragwürdig

Es war das große Ereignis, das ich schon gespannt erwartete. Die Bahnfahrt in die Heimat.

Mit dem Bus zum Bahnhof in Graz, ein eigentlich ganz netter und vorallem sauberer Bahnhof. Als ich meinem reservierten Platz in dem Zug nach Linz aufsuchte, musste ich ein junges Mädel bitten, von diesem aufzustehen. Gut, es war nicht so überfüllt der Zug, aber wenn ich schon die Reservierungsgebühr bezahle, dann will ich das auch voll auskosten. Die beiden Mädels, scheinbar Studentinnen. Von der Bauart Rasterzöpfe, Piercings durch die Nasenwurzel. Ok, jeder und jede nach eigener Weise. Knappe drei Stunden dauerte die Fahrt durch die dunkle schneebedeckte Landschaft der Steiermark.

Schnell in Linz dann rüber in den Nachtzug nach Hamburg. Keine neun Minuten blieben mir. Mit Tasche quer durch den Bahnhof. Angekommen, Wagen gefunden. Abteil gefunden. Platz gefunden. Besetzt. Hmmm, dachte ich mir. Das geht ja gut weiter. Aber das junge, wohl Pärchen machte keine Anstalten und wechselte den Platz. Hier sollte ich nun länger bleiben. In diesem Sechser-Abteil hatte ich in Fahrtrichtung am Gang, also an der Tür meinen Platz.

Schauen wir uns doch einmal die Charaktere an: 

Platz (Gang, gegen die Fahrtrichtung): Aktuell noch Studentin, hatte keine Reservierung. 

Platz (Mitte, gegen die Fahrtrichtung): Fast 60-jähriger Mann, wohl polnischer, russischer oder ähnlicher Herkunft. Sah mit seinem Basecap aus wie ein Teddybär. 

Platz (Fenster, gegen die Fahrtrichtung): Alterbativ angehauchte, Rucksackreisende.

Platz (Fenster, in Fahrtrichtung): Junge Frau, unauffällig. Lediglich ihren silbernen Glitzerstern im Haar, billig aussehend, musste ich immer aus den Augenwinkeln fixieren. 

Platz (Mitte, in Fahrtrichtung): ca 40-jährige Frau, ebenfalls unauffällig. Las ein ausländisches Buch. Lesezeichen war ein Dreifach-Passbild eines Kindes. Wie sich später herausstellte: “Ik fahren zun erste Mal mit Zug. Dahe ik haben so viele Panik”

Platz (Gang, in Fahrtrichtung): Sympatischer Student, charmant, gutaussehend. Also ich. 

 

Man muss ich ja arragieren, in dieser Zweckgemeinschaft. 

Nicht einmal ganz aus dem Bahnhof Linz herausgefahren, scharchte es schon neben mir aus der Kopfstütze. Es war die Panikerin. Der Teddybär saß die ganze Zeit aufrecht, seine Beine aufgestellt und auseinander. Die Mütze hatte er inzwischen abgesetzt. Das Telefon, steinzeitlicher Art, war nun sein Speilzeug. Die Alternative am Fenster hinten las gedankenversunken in ihrem Buch. Verschlang innerhalb von drei Minuten eine quadratisch, praktisch, gute Schokolade. Ich habe auf die Uhr geschaut.

In Passau stieg die Unauffällige mit dem Glitzerstern aus. Stattdessen kam später ein hektischer Mann den Gang herunter. Rollkoffer und Aktenkoffer. In unser Abteil geschaut. Etwas unkoordiniert seinen großen Rollkoffer in die Ablage legen wollen. Geht nicht. Dann den kleinen Koffer. Passt. Dann nahm er Platz auf dem Platz des Glitzersterns. 

Kurz nach Ausfahrt aus dem Bahnhof Regensburg kam dann das Schnarchmäulchen herein. Sie setzte sich mir gegenüber, auf den Platz der Studentin. Die erneute Fahrscheinkontrolle gegen 02.00Uhr weckte alle wieder, die versuchten ein wenig zu schlafen. Ich döste mehr. Der Aktenkoffer-Mann wurder vom Schaffner ermahnt, dass doch bitte keine Koffer auf dem Gang stehen sollten, es sei ein Fluchtweg. Das hätte ich dem Aktenkoffer-Mann und Schnarchmäulchen auch vorher sagen können. Habe ich aber nicht. Vielleicht hätten sie beide selbst auf die Idee kommen können. Denn in fast jeder Kurve fiel einer der Koffer um und versperrte den Gang. Nach einigen Diskussionen zwischen Aktenkoffer und Schaffner zog der Kunde von dannen. Wohin weiss niemand.

Es kehrte wieder Ruhe ein. Ich schlief wohl noch ein wenig. Jedes Mal, wenn ich wach wurde, huschten die Lichter der kleinen Ortschaften am Fenster vorbei. Lichter und Scheinwerfer von Fabriken und Firmn erhellten das Abteil für einen Bruchteil eines Augenblickes. Die Fahrt an sich war ruhig. Ein schnurrendes und ganz feines Vibrieren schaukelte wohl jeden hier in den Schlaf. Zu fünft in unserer Bleibe baute sich jeder sein Nachtlager. So richtig sitzen konnte ich nicht. Mein Fahrgestell konnte ich auch nicht ausfahren, weil der Koffer von Schlafmäulchen vor mir stand. Es fehlten eigentlich noch die Hühner und eine Kuh. Dann hätte das alles auch noch was cooles, was exotisches gehabt. 

Teddybär zog sich die Schuhe aus. Das Dickerchen in der Ecke am Fenster legte sich zurecht und döste wohl auch.  

Zwischenzeitlich beobachtete ich die Schlafenden weiter. Teddybär schob seine Beine jetzt auch mal nach vorne aus. Schnarchmäulchen machte einen zufriedenen Eindruck. Ihre Augen hinter der glasbaustein anmutenden Brille waren geschlossen. Den Kopf leicht nach hinten geneigt, sah die vielleicht 40-jährige, blonde, leicht dickliche Frau friedlich aus. Jetzt kam mein medizinischer Blick wieder dazu: Frau, circa 40 Jahre, Blond, im gebährfähigen Alter, adipös. Na. Die wird sicherlich irgendwann man mal Gallensteine bekommen. 

So richtig wach wurde  ich, als Schnarchmäulchen mir ihre weissen Tennissöckchen an meinen Oberschenkel legte. Im Schlaf natürlich. Ganz unbeabsichtigt. Auch der Teddybär schob nun seine grau besockten Füße auf den ihm gegenüberliegenden Platz. Fast in das Gesicht von der ausländisch Träumenden, die sich auf dem beiden Plätzen neben mir breit gemacht hat und nun wohl seit einiger zeit quer über beide Plätze zur Fahrtrichtung lag.

Jetzt ging gar nichts mehr. Ich holte meine Schwarzbrot-Stullen heraus und machte Brotzeit. Ob jetzt nun mein Aroma von Käse, Putenbrust und Schwarzbrot das Abteil stören könnte, war mir auch egal. Störte irgendwie auch keinen. 

Wir fuhren in den Bahnhof Göttingen ein. Aha! Die Ankunft in der anderen niedersächsichen Universitätsstadt verzögerte sich wohl um dreissig Minuten. Das ließen die Anzeigetafeln verkünden. Also planmäßige Ankunft in der ehemaligen EXPO-Stadt wohl ausgeschlossen.

Der Zug fuhr weiter. Kurz hinter Göttingen klinelten fast gleichzeitig drei Wecker von Mobiltelefonen. Clever. Da für ca 06.13Uhr die Ankunft in Hannover geplant war, wollten die alle sich noch mal schnell fertig machen. Ich war ja nun wach und erlaubte mir einen Spaß. Wo sind wir? Gleich in Hannover? Nein, meinte ich. Gleich in Hamburg. Panik. Unruhe. 

Fairerweise klärte ich alles auf. Die letzten Toilettengänge. Meine Thrombose-Prophylaxe hatte ich schon vorher gemacht: viel trinken, Muskelpumpe durch Heben und Senken der Füße im Stand und den Gang mal hoch und mal runter laufen. 

Plötzlich Hektik. Die anderen vier rissen auf einmal ihre Taschen, Jacken und Koffer herunter. “Hannover!” schrie jemand. Alle raus. Dieser Spuk dauerte vielleicht ein, maximal eineinhalb Minuten. Während ich Deckung suchte, erhaschte ich einen Blick. Hannover-Messe, Bahnhof Laatzen. Cool und routiniert machte ich mich bei der Durchfahrt beim Bismarckbahnhof so langsam ausstieg-fertig. 

Memo an mich: Nächstes Mal bei Tennissöckchen in meinem Nahbereich. Killekille machen.

Feucht durchgewischt

* admin - 6.03.2010 - 09:57 sortiert in Graz, das Leben, erinnert

Heute hatte ich meinen Sauberkeitsfimmel. Mich nervte dieser Dreck auf dem Fußboden an. Also heißes Wasser und ein wenig Bodenreiniger, den Wischer aus der Gemeinschaftsbesenkammer (andere kennen so was ja auch, nur mehr mit einem Doppelbett, hier wurden danach sogar rothaarige Kinder geboren). Drei Mal musste ich die feuchte Bodenpflege vornehmen, weil immer wieder aus den Ecken die Flusen und der Staub kam. Schien irgendwo ein Netz gewesen zu sein.

Dann noch das Waschbecken sauber gemacht und  den Spiegel geputzt. Erst traute ich mich nicht an die Fensterbank heran. Auch nicht an die Innenflächen des Fensters. Ich habe es gewagt. Die Rechnung war dann auf meinem Putzlappen zu erkennen. Schwarze, nicht oder nur sehr schwer entfernbare Spuren.

Zumindest konnte ich heute auch die Wäscheleine entfernen. Kein einziges Stück Wäsche hängt mir nun aktuel im Nacken. Auch was schönes. 

“Wollns a sackerl…?”

* admin - 2.03.2010 - 19:01 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, erinnert

Was will ich?

Aber der Reihe nach. Heute morgen eine dieser Vorlesungen. Die Dozenten scheinen die Angewohnheit zu haben, sich nicht an die Zeiten des Plans zu halten. Eineinhalb Stunden sitzen und einer, sagen wir mal, didaktisch mäßig gestalteten Vorlesung lauschen. Die Schwerkraft der Augenlider war zugegebenermaßen zum Teil recht imposant. Bei mir. Netterweise hat mich zwischendurch mein Sitznachbar unterhalten. Ich bekam eine Stichwortliste der letzten Modulprüfungen. Eventuell kann ich die ja noch mal nutzen. Da wieder einmal der Hörsaal knapp über seine Grenzen gefüllt war, musste ich doch etwas innerlich über den Kommentar des Menschen neben mir schmunzeln. “Ah, geh! Da kommst di vor hie wie in di Mittelschul. Di glaubens alle, waas verpasse zu müühsse, wenns nit da sein!” (Kommst Dir hier vor, wie in der Grundschule, die glauben alle, was zu verpassen, wenn sie nicht da sind.)  Auch wurde von mir hier die Spezies Wollmaus entdeckt. Mehr dazu demnächst.

Dann hatte ich einen Arzttermin. Ich wollte mich gegen die FSME impfen lassen. Denn in Österreich gibt es kein Bundesland, welches nicht hohe Zahlen an Zecken und ausgiebige Zeckengebiete aufweist. Also zu der Steirmarkischen (oder so…) Gebietskrankenkasse hin. Dort sollte mich der Pieks knappe 21,00 Euro kosten. Problem. Die Mädels am Empfang wussten nicht, ob und wie sie mich aufnehmen konnten oder sollten. Ein ähnliches Problem hatte ich ja schon mal.  Nun, endlich konnte ich mich dann in Richtung Massenimpfung begeben. Eine Schlange von vielleicht 15 Patienten stand beim Impfarzt vor der offenen Tür. Die Arzthelferinnen pieksten, was das Zeug hält. Datenschutz und Intimsphäre der Patienten am Anfang der Reihe wurde nicht besonders groß geschrieben. In vier Wochen muss ich zur Nachimpfung.

Da ich noch Papier und Tinte für meinen Drucker brachte, habe ich mich in Richtung Graz-City aufgemacht. Mit dem Radl alles kein Problem. Strecken von unter zehn Minuten Dauer. Auch ein neues Schloss für mein Radl brauchte ich. Damit ich nicht ohne Sattel irgendwann fahren muss. Im Stehen. Oder so.  In jedem Fall waren alle Verkäufer mal wieder sehr freundlich. “Wollns a sackerl…?”. Wie bitte was? “Zahlen´s mit Bankomat?” Nein, einen Bankautomaten habe ich leider nicht dabei. In Hochdeutsch: “Wollen Sie eine Tüte?” oder “Zahlen Sie mit ec-Karte?”. Zur ertsen Frage. Nein Danke, habe den großen schwarzen (Ruck)sack dabei. Zweite Frage, ja.

Heute abend habe ich mich dann mal an die ganz große Küche gewagt. Unter Katastrophenschutzbedingungen (für Wenigwissende: kaum Zeit, kein Platz, bescheidene Mittel und Möglichkeiten) habe ich mir ein Dreikomponenten-Gericht gezaubert. Auf einer einzigen funktionierenden Herdplatte.  Nudeln mit Putenbrust-Streifen in Basilukum-Tomatensauce. Mälzer, Lichter, Lafer und Lecker hätten mich beneidet. Und natürlich gleich eine zweite Portion gekocht. Vielleicht morgen dann. Aus der Mikrowelle. Memo an mich: vielleicht sollte ich mir doch einen Hockerkocher oder Esbit-Kocher zulegen.

Projekt für die nächsten Tage: Wäschewaschen. Man darf gespannt sein. 

erster Tag

* admin - 1.03.2010 - 19:34 sortiert in Graz, das Leben, erinnert

Na, aufgeregt war ich nicht umbedingt. Aber es ist schon spannend, in sich hinenzuhorchen. Nicht nur dass es ein erster Tag ist. Auch in einer anderen Stadt, an einer anderen Uni. In einem anderen Land. Und zudem noch ein ganz anders strukturiertes Themengebiet.

Den Hörsaal habe ich schon mal gefunden. Eigentlich gar nicht so schlecht. Morgens zwischen 8 und 11.30Uhr sind Vorlesungen, nachmittags dann Seminare und Übungen. 

Obwohl ich zeitig (zehn Minuten vorher) da war, hatte ich arge Mühe, einen Sitzplatz auf einem Stuhl zu bekommen.  Ganz hinten, oben bekam ich in der letzten Reihe noch einen Platz. Der Hörsaal war proppedicke voll. Für scheinbar (nach Aussage der ersten Dozentin) für 275 Plätze ausgelegt, drängte sich offenbar das ganze Semester mit knapp 350 Studierenden dort hinein. Die Luft war dann auch ein wenig, naja sagen wir mal, stickig.

Vorstellung der Module und der Lehrveranstaltungen. Empfehlungen von Lehrbüchern. Prüfungsmodalitäten. Alles was eben so zu Beginn zu hören ist. 

Gegen 11.15Uhr war dann die erste Pause für mich. Habe die Zeit genutz, meine zum Teil unleserlichen Notizen elektronisch zu erfassen. Man weiss ja nie, wozu man die noch mal brauchen könnte. 

Am Nachmitteag war dann noch ein Seminar. Mit einer Art TED-Abfrage. So was kenn ich noch von ganz früher. Als per Telefon irgendwelcher Mist im Fernsehen abgestimmt werden sollte. Hier hatte jeder (!) anwesende der ca 300 Studenten so ein Ding. An der Heimatuni gab es nur für die ausgewählten 30 so ein Teil.  Das Prinzip ist einfach: es wird eine Mehrfachantwort-Frage vorgestellt und der Teilnehmer klickt numerisch seine Antwort. Nach einer Zeit X wird dann die “amtliche Hochrechnung” angezeigt.

Ich habe mir einen kleinen Jokus erlaubt: 

Frage: Welchen Tag haben wir heute? 1.Montag 2.Dienstag 3.Mittwoch 4.Donnerstag 5. Freitag. 6.Es ist Wochenende.  Ich drückte die Taste 6. Habe mich innerlich man richtig gefreut. War auch der einizige mit der Antwort.

Das schnell mitgeschriebene werde ich dann heute abend dann noch mal abtippern. Ich kann ja schnell schreiben. Aber eines ist offensichtlich. Die Unleserlichkeit ist prototional zu der ansteigenden Geschwindigkeit des Schreibens. 

Übrigens habe ich heute meine Sonnenbrille aufsetzen müssen. Wirklich. Bei objektiven 15 Grad. Gefühlten 20 Grad und den Strahlen der tiefstehenden Sonne hatte ich keine andere Wahl.