sortiert nach medizinisch

Notfall in der Pathologie oder auch: Pandaaugen-Syndrom

* admin - 3.03.2010 - 14:58 sortiert in Graz, beobachtet, das Leben, fragwürdig, medizinisch

“Notfall in der Pathologie” ist schon eine Schlagzeile. Und die Story dazu. Mein Gott. Wenn das über die Agenturen gehen würde.

Ich hatte heute das Mikroskopier-Seminar. Histologie. Lehre der Zelle. Zumindest das, was man sehen kann. Mit einem Mikroskop. Für mich an sich nichts neues. Was aber bezeichnend war, ist die scheinbare Nichtorganisation der Seminarleitungen. Keiner wollte und keiner wusste. Nun denn, meine Gruppe und ich wurden nun in den ehemaligen Prüfungsraum der Pathologie geleitet. Man muss sich das so vorstellen. Ein Prüfer, hier die Dozentin, sitzt in der Mitte an einem Mikroskop. Daran angeschlossen waren fünfzehn andere Mikroskope. Der Prüfer stellt nun an einem histologischen Präparat einen Ausschnitt ein und lässt die Prüflinge erzählen. Was ist zu sehen? Welches Gewebe? Welche pathologischen oder krankhaften Veränderungen sind zu erkennen? Was fällt auf? Ich kenne diese Szenarien ausreichend. Saß schon häufiger an solchen Mikroskopen. Diese waren von der Firma Nikon. Andere fotografieren mit der Firma.

Aber ich schweife ab.  die Dozentin war eine zackige (der zweite Buchstabe dieses Wortes hätte phasenweise auch durch ein “i” ersetzt werden können) junge, scheinbar aufstrebende Patholgin. Schick gekleidet begrüßte sie uns alle. “Ihr hoabt allsammt fünf Punkte” Schön, schon einmal die Miete eingefahren, ohne irgend einen Ton von sich gegeben zu haben. Noch nicht einmal fachfremdes kam von mir. Nur meine Anwesenheitsunterschrift habe ich geleistet. Die fünf Punkte sind die Benotung für die mündliche oder je nach dem schriftliche Leistung sin so einem Seminar.

Wir schauten uns einige Präparate an. Der Raum war natürlich dunkel. Damit die Kontraste des ohnehin schon schwach sichtbaren Bildes noch stärker wurden. Die Augen der Anwesenden drückten sich auf die Sichtstutzen des Mikroskopes. Mit fortschreitender Zeit wurden die Abdrücke und Ringe um die Augen der Seminarteilnehmer immer deutlicher. Die Dunkelheit tat ihr übriges. Der Blick wurde matter. Dieses Phänomen beschreibt man als Pandaaugen-Syndrom. Sehr eindrucksvoll hier zu sehen.  Spiegel-online beschreibt dieses Phänomen in einem anderen Zusammenhang.

Zwischenzeitlich klingelte das mobile Telefon der Dozenttin zum fast zehnten Mal. “I bin bei die Studenten” oder “Naah, i koann jetzt ni” waren die nur einseitig verständlichen Worte. Anweisungen am Telefon. Wieder eine Unterbrechung. Kurz ins Mikroskop geschaut. Einige Fragen. Wieder ein Klingeln. “Naah, i moag ni meah!” Hektisches Zucken in ihrem Gesicht bei dem Telefonat. Jetzt musste alles schnell gehen. “I komm!” sagte sie und befahl uns zu folgen. Auf dem Weg ihrer und unserer hektischen Schritte eine kurze Lage. Da sei ein Patient. Gerade operiert. Am Rücken, ein Melanom. Chirurg. Mehr konnte ich nicht verstehen, weil die Frau Doktor derart schnell und spurtend von dannen schoss.

Im pathologischen Raum angekommen. Hektisches Treiben. Geklapper. Laute Stimmen. Umherlaufende Menschen. so etwas kenne ich eigentlich nur von Notfällen. Ui, dacht ich. Jetzt geht es hier aber ab. Sie schnippelte an dem Präparat einige Stücke heraus. Sparch etwas in das vor ihrer Brille hängende Diktiergerät. Nach einer halben Stunde war der Stress vorbei. Alles erledigt, schoss sie voran. Zurück in das dunkle Zimmer mit den Vergrößerungsgeräten.

Pathologen scheinen ja doch Stress zu haben. Und nicht dem Spruch folgend: 

Der Internist weiß alles, kann aber nichts. Der Chirurg kann alles, weiß aber nichts. Der Psychologie kann nichts, weiß nichts, hat aber für alles Verständnis. Und der Pathologe kann alles, weiß alles, kommt aber immer zu spät. 

Da könnte ich mir echt überlegen auch in der Pathologie tätig zu werden. Ich liebe diesen Adrenalinkick!